Der Minister ärgert sich
Interviewer
Herr Minister, ich darf sie bei uns begrüßen. Danke für Ihr Kommen.
Darabos
Gerne, Ich komme überall gerne hin, wo man mich schätzt.
Interviewer
Dann freut es mich besonders, dass Sie trotzdem bei uns sind. Es war ja in letzter Zeit wieder einmal etwas unruhig um Ihre Person. Das umstrittene Heeres-Video, Blumensamen-Geschenke in Ihrem Ministerium am Valentinstag, die die Opposition als Samenspende-Skandal bezeichnet hat. Ihre Anwesenheit bei den olympischen Spielen, wobei wiederum die Opposition Ihre Abwesenheit hier im Land kritisiert hat. Ja, wie geht es Ihnen mit diesen zum Teil recht negativen Schlagzeilen?
Darabos
Gut. Sehr gut. Schauen Sie, als Politiker muss man ja lernen mit Kritik umzugehen, wie ich immer sage. Das gehört dazu.
Interviewer
Gut. Dann vielleicht zu etwas …
Darabos
Obwohl, was natürlich schon ärgerlich ist, dass diese Opposition ja offenbar nicht weiß, was sie will. Da wird ja auch kritisiert, wenn ich da bin und kaum bin ich weg, ist denen das auch wieder nicht recht. Da empfehle ich doch dringend ein wenig nachzudenken!
Interviewer
Sie nehmen es aber trotzdem gelassen.
Darabos
Das fordert schon der professionelle Umgang. Unangenehm ist nur, dass diese ganzen Sachen ja praktisch aus der Luft gegriffen sind. Manchmal habe ich den Eindruck, da sind ganze Arbeitsgruppen nur damit beschäftigt aus jeder Mücke einen Elefanten oder aus jedem Blumensamen eine sexuelle Belästigung zu stricken. Da bläst man nur heiße Luft in irgendwelche scheinbaren Skandalballons und die Presse hat ja nichts Besseres zu tun, als da sofort aufzuspringen.
Interviewer
Ja, dann wechseln wir doch einfach das Thema und …
Darabos
Das ist Ballonjournalismus. Aufgeblasene Gemeinheiten. Ohne Inhalt!
Interviewer
Herr Minister, wenn Sie jetzt einen Blick in die Zukunft …
Darabos
Ich bin ja ein friedlicher Mensch!
Interviewer
Natürlich, Sie haben ja auch den Zivildienst absol-
Darabos
Jetzt fangen Sie wieder damit an! Was soll denn das bitte!?
Interviewer
Ich wollte Ihnen da jetzt keineswegs irgendwie zu nahe treten. Es ist ja nichts Ehrenrühriges den Zivildienst absolviert zu haben. Hab ich auch gemacht. Also-
Darabos
Ja, aber Ihnen wirft man das ja wohl nicht ständig vor! „Herr Minister, wie können Sie als Zivildiener oberster Chef des Bundesheeres sein? Herr Minister, wieso sind unsere Sportler solche Lavendelpflücker? Herr Minister wie sind sie als Burgenländer überhaupt Minister geworden?!“
Interviewer
Herr Minister, ich habe den Eindruck, dass Ihnen einiges vielleicht doch etwas nahe geht.
Darabos
Aber nein! Aber als Politiker habe ich ja Stellung zu beziehen und muss das eine oder andere zigmal erklären. Nehmen Sie zum Beispiel die Olympiade. Natürlich bin ich nach Vancouver geflogen. Ich war bei unseren Sportlerinnen und Sportlern und immerhin haben wir 16 Medaillen geholt haben, haben keinen Dopingfall und keine Verletzten. Das ist doch eine wunderbare Bilanz.
Interviewer
Ja, zweifellos ein schöner Erfolg der Sportlerinnen und Sportler.
Darabos
An dem ich als Sportminister ja wohl auch teilhaben darf. Ich war dort und wir haben Erfolg gehabt.
Interviewer
Wie sehen Sie in diesem Zusammenhang Ihren Anteil am Erfolg.
Darabos
Nochmals: Ich war dort! Ich habe mit einigen persönlich gesprochen, mit den Skispringern, den nordischen Kombinierern und den Biathleten, die ja zum Teil bei uns im Heer ausgebildet werden, den Snowboardern hab ich Glücksbringer geschenkt, selbst gebastelt von Volksschulkindern aus dem Seewinkel. Mit einigen der Sportlerinnen hab ich persönliche Gespräche geführt, habe versucht, ihnen Kraft zu geben …
Interviewer
Bei den alpinen Herren gab es ja leider einige Enttäuschungen …
Darabos
Ich kann ja nicht überall sein!
Interviewer
Jetzt sind sie wieder im Land. Wo werden Sie jetzt ihre politischen und mentalen Kräfte einsetzen.
Darabos
Ich merke genau, dass Sie sich jetzt über mich lustig machen.
Interviewer
Nein, ich frage Sie doch nur, wo …
Darabos
Es gibt da einige, die mich für ein Schwammerl halten, aber ich kenn’ sie alle!
Interviewer
Herr Minister, ich würde mir nie erlauben …
Darabos
Ja, ja, is’ schon recht. Ich weiß genau, was ich sage!
Interviewer
Also wenn Sie wollen können wir jederzeit über etwas anderes reden, über ein Thema Ihrer Wahl …
Darabos
Zur Wahl werde ich sicher jetzt nicht Stellung nehmen. Ob und warum ich kandidiere ist eine ganz …
Interviewer
Ich wollte keineswegs über Ihre Wahl reden, sondern …
Darabos
Ich weiß genau, dass keiner darüber reden will und das stört mich auch nicht.
(verbittert) Das prallt an mir ab und aus.
Interviewer
Dann reden wir doch über das Große Goldenes Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich, das sie heuer erhalten haben.
Darabos
Ja, machen Sie mich jetzt dafür verantwortlich!?
Interviewer
Ich verstehe nicht ganz …
Darabos
Ich gehe das alles professionell an, ich rege mich nicht auf, aber irgendwann reicht es, ja. Man tut ja so, als ob ich diese ganzen Orden, die Schulden, die Banken, der Opernball, die schrottreifen Panzer, die Flieger und die verfallenen Kasernen, als ob ich dafür verantwortlich wäre. Ich kann Ihnen nur sagen, wenn ich ein Haus baue, dann steht das, auch wenn es eine Kaserne ist, ja! Und wenn ich einen Flieger baue, dann fährt der und wenn ich einen Panzer baue, dann fliegt der. Hundert Jahre lang, ja!
Interviewer
Herr Minister ich …
Darabos
Herr-Minister-ichsen Sie mich nicht an! Mir reicht das jetzt. Wenn ein Sportler, der bei uns im Heer wunderbar ausgebildet und gefördert wird, sich im Eurofighter auf eine Ameise setzt, dann gehen bei mir im Büro die Tierschützer an die Wände und die Journalisten geifern und die Opposition und dieser vertrottelte Installateur, der noch immer mit meinem Abfluss und das Dings, und diese Ministerin … wah
Interviewer
Herr Minister, ich verstehe nicht, was Installateure und Ameisen …
Darabos
Ich bin hier doch nicht der Ameisenbär im Land, an dem sich alle die Hände abwischen können! Mir reicht das! Aber bis hier!
Interviewer
Ja, aber …
Darabos
Bis hier und höher!
Interviewer
Herr Minister, ich gehe davon aus …
Darabos
Sie gehen davon aus? Ja?!
Ich gehe davon! Schluss! Und ich werde mir das noch überlegen, ob ich mich wieder einladen lasse, ja! Und wann! Und … Ah, das is’ ja alles sinnlos!
(geht böse ab)
Interviewer
Herr Minister ich bedanke mich für das Interview.